Schwebende Innovation: Wie Physik die Produktion revolutioniert
Shownotes
In dieser Folge spreche ich mit Joachim Frangen über die faszinierende Entwicklung eines neuartigen Schwebesystems für die Industrie. Wir tauchen ein in die Welt der Planarroboter, diskutieren die Herausforderungen bei der Steuerung permanenter Magneten und erfahren, wie aus einer Idee im Hobbykeller ein marktreifes Produkt wurde. Gemeinsam beleuchten wir, warum diese Technologie besonders für saubere Fertigung und flexible Produktionsprozesse ein echter Durchbruch ist. Ich nehme euch mit hinter die Kulissen der Innovation – von den ersten Experimenten bis zu den Alleinstellungsmerkmalen, die das System so einzigartig machen. Freut euch auf spannende Einblicke und Inspiration für die Zukunft der Industrie!
Bosch Rexroth
https://www.boschrexroth.com/de/de/
Control-X-Flow-6D
Industrie 4.0
https://de.wikipedia.org/wiki/Industrie_4.0
Permanentmagnetische Levitation
https://de.wikipedia.org/wiki/Magnetische_Levitation
Halbleiterindustrie
https://de.wikipedia.org/wiki/Halbleiterindustrie
Pharmaindustrie
https://de.wikipedia.org/wiki/Pharmaindustrie
Linearmotor
https://de.wikipedia.org/wiki/Linearmotor
Industrieautomation
Transkript anzeigen
00:00:05: Hallo liebe Zuhörer und Zuhörer, willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcastes Industrie neu gedacht.
00:00:10: Mein Name ist Robert Weber und mir gegenüber sitzt Joachim Frangen.
00:00:13: Hallo Joachim, willkommen im Podcast.
00:00:16: Hallo Robert, danke für die Einladung.
00:00:18: Diplom
00:00:18: Physiker, heute wird es physikalisch.
00:00:22: Bevor wir aber loslegen über Planarroboter zu sprechen, stelle dich doch bitte kurz vor, wer bist du?
00:00:28: Was machst du bei Bosch Rexord?
00:00:30: Ich bin bei der RobotBosch GmbH im Zentralbereich Forschung und Vorausentwicklung als Chief Expert für Produktionsautomatisierung und als solcher habe ich über längere Zeit Industrie, four.null Forschungsprojekte koordiniert.
00:00:46: Parallel dazu meiner Leidenschaft nachgegangen.
00:00:49: als Physiker ist das eine Leidenschaft für industrielle Lividation.
00:00:53: auf diesem Wege eine neue Technologie entwickelt bis zur Reife bis zur Einsatzreife.
00:00:59: Das hat eine Weile gedauert, aber seit Anfang Zweiundzwanzig bin ich ausschließlich tätig für Bosch Rexrot im Bereich der Produktentwicklung für ein neues Schwebesystem für die industrielle Fertigung.
00:01:11: Was ist das für ein Schwebesystem?
00:01:13: Das ist ein Schwebesystem, was darauf gerichtet ist, Produkte, die auf einem schwebenden Werkstückträger liegen, durch die Fertigung zu transportieren.
00:01:22: Das ist ein Wegbereiter für die Industrie für Punkt Null, weil man sich vorstellen kann, Produkte in hoher Variantenvielfalt entsprechend ihrer Funktion zu individuellen Prozessstationen zu führen.
00:01:35: Wo kommt das her?
00:01:36: Lass uns mal zurückblicken.
00:01:37: Wo kommt diese Technologie her?
00:01:39: Ist das eine Made by Bosch Technologie oder habt ihr die adaptiert?
00:01:43: Du kommst aus dem Research.
00:01:45: Gib mir so ein bisschen Hintergrund.
00:01:47: Ja, es war ein Trend vor etwa, ich würde sagen, seit Jahrzehnten etwa, dass es erstmals gezeigt wurde, dass es Levitationssysteme gibt, die aus anreibaren Kacheln bestehen, auf denen Mover schweben können.
00:02:02: Üblicherweise wird dabei eine spulenbasierte Technologie eingesetzt.
00:02:06: Was heißt das?
00:02:07: Erklär mal kurz.
00:02:07: Das heißt genau genommen, dass im Stator sich Spulen befinden, genauer gesagt Spulenleiter platten.
00:02:14: In den Kacheln?
00:02:15: In den Kacheln.
00:02:16: Die Kacheln sind stationär, deswegen auch Stator genannt.
00:02:19: die ein, ich sage mal, magnetisches Levitationsfeld erzeugen.
00:02:24: Das wird geregelt und hat die Eigenschaft, dass ein mit Permanentmagneten bestückter Mover in diesem Feld nicht nur dauerhaft schweben kann, sondern auch gezielt in sechs Freiheitsgraden in der Bewegung gesteuert werden kann.
00:02:38: Und nun kamen wir mit einem neuen Vorschlag zur permanent magnetischen Levitation.
00:02:43: Das ist das Stichwort eigentlich für diese neuartige Technologie.
00:02:47: Mit der Besonderheit, dass im Stator ebenso wie im MOVA permanent Magnete eingesetzt werden.
00:02:52: Ganz kurz noch, MOVA und Kachel, was ist der Unterschied?
00:02:56: Ja.
00:02:56: Die Kachel ist ein Modul des Stators.
00:03:00: Ein Stator wird aus mehreren Kacheln aufgebaut.
00:03:03: Ich kann zum Beispiel Quadratmeter große Flächen ausrüsten als Arbeitsbereich für sogenannte MOVA und viele MOVA können dann in diesem Arbeitsbereich schweben, gesteuert werden.
00:03:14: Jeder MOVA individuell in sechs Freiheitsgraden.
00:03:17: Okay, der MOVA ist sozusagen die kleine Kachel und alle zusammengegeben das große Ganze.
00:03:23: Nein, man muss klar unterscheiden.
00:03:25: Der Stator besteht aus mehreren Modulen, die sogenannten Kacheln.
00:03:30: Das ist der stationäre Teil.
00:03:32: Und der mobile Teil, das sind die MOVA.
00:03:35: Ein MOVA kann man sich vorstellen, als schwebenden Werkstückträger, den ich gezielt kommandieren kann, von Position A an Position B oder auch kommandieren kann, eine bestimmte Bahn auszuführen.
00:03:46: Er kann ja auch in einem Prozess eingebunden sein, zum Beispiel Laserschweißen, Kleben, Dosierraupen, Dispensen, ähnliche Dinge.
00:03:54: Erklär uns mal, was unterscheidet euren Ansatz von anderen Ansätzen, von der Spule?
00:04:00: Unser wesentliche Neuerung ist die Verwendung von Permanentmagneten im Stator.
00:04:05: Als Physiker sieht man, das hat drastische Vorteile.
00:04:09: Die maximalen Fälder, magnetischen Fälder, die ich erzeugen kann mit Permanentmagneten, sind circa fünfzig bis hundertmal höher als die von den besten Spulen, die technisch herstellbar sind.
00:04:22: Es ist auch klar, dass ich keine Energie zuführen muss, um das Magnetfeld zu erzeugen.
00:04:26: Wie der Name sagt, permanent Magnete sind permanent magnetisch.
00:04:30: Also ist es eine riesen Chance, die wir ergreifen, indem wir permanent Magnete nehmen und damit quasi eine Flatrate für das stärkste Magnetfeld, was man sich denken kann, abrufen.
00:04:42: Warum setzen andere auf Spule?
00:04:43: Was macht den Unterschied da so aus?
00:04:45: Ist es günstiger einfach?
00:04:47: Ich würde sagen, das ist vielleicht historisch bedingt.
00:04:50: Wir kommen ja aus der Welt von Linearmotoren zum Beispiel, wo üblicherweise dann eben ein Permanentmagnet besetzter Läufer angeregt wird oder... beschleunigt wird mit einem Ray von Spulen.
00:05:03: Und diese Idee ist im Prinzip erweitert, führt dann zu einem Schwäbesystem auf Spulenbasis.
00:05:08: Es war also ein weiterer Schritt nötig zu sagen, nein, Moment mal, wir ersetzen beide Seiten durch permanent Magnete.
00:05:14: Den schwebenden Mover, der zum Transport dient, als auch den stationären Stator.
00:05:20: Okay, lass uns mal noch mal zurückgehen.
00:05:22: Wann habt ihr damit angefangen, euch mit dem Thema zu beschäftigen?
00:05:25: Wann war das?
00:05:26: Das war um zwanzig vierzehn herum.
00:05:29: Und wir haben damals... Die Vorteile gesehen in diesem Permanent Magnetian System, am Anfang war das noch nicht offensichtlich.
00:05:37: Es war mehr oder weniger eine fixe Idee.
00:05:40: Ich gestehe, ich habe am Anfang dieses Thema im Hobbykeller vorangetrieben, um zunächst mal eine gewisse Überzeugungskraft zu haben mit dieser Technologie.
00:05:49: Es hat sich schnell herausgestellt in ersten Versuchen.
00:05:52: Ja, das ist gar nicht so schwer, ein Objekt zunächst in zwei Freiheitsgraden schweben zu lassen in einem ersten Versuch.
00:05:59: dann als das gelangen.
00:06:01: Wie schwierig ist denn die Ansteuerung dieser Mover?
00:06:05: Die Ansteuerung ist tatsächlich schwierig.
00:06:07: Wir Physiker sprechen davon nicht linearität.
00:06:10: Das heißt, der Zusammenhang zwischen den Magnetwinkeln oder den Magnetposition und der ausgeübten Kraft und dem Moment ist nicht linear.
00:06:20: Und das erschwert die Regelung gegenüber spulenbasierten Verfahren, wo alles linear ist.
00:06:26: Das heißt, bei einer Spule habe ich den Zusammenhang.
00:06:29: Doppelsoviel Strom bedeutet doppelsoviel Magnetfeld, bedeutet doppelsoviel magnetische Kräfte.
00:06:35: Bei der permanent magnetischen Levitation steuern wir stattdessen die Position der Magneten im Stator.
00:06:41: Wir können den Winkel oder die Position verändern.
00:06:45: Das hat immer einen nicht linearen Zusammenhang zum Kräften und Momenten.
00:06:50: Jeder, der am Küchentisch so mal experimentiert hat mit zwei Magneten, weiß das.
00:06:54: Je näher sich die Magneten kommen, desto stärker werden die Kräfte und zwar überproportional.
00:06:59: Und wie löst man diese Komplexität?
00:07:03: Das muss ja reliable und robust sein und zuverlässig sein, dass ich sie wirklich richtig positionieren kann am Ende.
00:07:10: Ja, tatsächlich war das einer der schwierigsten Fragen.
00:07:14: Und zur Lösung muss ich ehrlicherweise sagen, haben wir sieben Jahre gebraucht.
00:07:18: Sieben Jahre, bis wir wirklich verstanden hat, wie man diese Technische Probleme überwindet und eine verlässliche Regelung auf Basis eines physikalischen Modells darstellen kann.
00:07:29: Wie habt ihr es gemacht?
00:07:30: Erklär mal ein bisschen.
00:07:31: Ja, grundsätzlich handelt sich bei dem System um ein geregeltes System, bei dem es... wie so oft in der Technik einen Sensor gibt.
00:07:39: Das ist der Positionssensor, der die Position des Movers in sechs Freiheitsgraden erfasst.
00:07:44: Es gibt eine Regelung, die diese Position bzw.
00:07:48: die Abweichung zu einer Sollposition als Eingangsinformation erhält.
00:07:53: Und es gibt einen Aktor, der Regler steuert ein Ray von Aktoren, die jeweils die Magnetposition verändern von einem Ray von Magneten im Stator.
00:08:05: Und diese Dadurch verursachte Kraft- und Momentenänderung wirkten und wieder auf den Mover und der Regelkreis ist geschlossen.
00:08:12: Okay.
00:08:12: Als ihr es im Jahr zwei Jahrzehnte angefangen habt und ihr habt es dann im Hobbykeller ausprobiert, du hast sozusagen bewiesen, dass es funktioniert, gab es da schon einen Kunden-Nachfrage, ein Pain, dass man sagt, das können wir uns vorstellen oder wir sind daran interessiert.
00:08:28: das oder war das wirklich so, ich habe ein Paper gelesen und wir probieren jetzt einfach mal aus, können wir das übertragen?
00:08:35: Wir hatten bei Weitem noch nicht die volle Übersicht über den potenziellen Markt, aber die hatten einen zugstarken Kunden.
00:08:41: Das war unser eigener Geschäftsbereich Packaging.
00:08:45: Packaging sah große Vorteile in dieser Technologie, sie beabsichtigten Maschinen zu bauen, bei denen die Technologie zur Verpackung von Pharmazeutiker zum Einsatz kommt, also von besonders sauberen Bedingungen, die dazu erforderlich waren.
00:08:59: Und die Levitation eignet sich natürlich besonders für sehr saubere Bereiche, wie zum Beispiel Farmer, Food oder auch in kritischen sicherheitsrelevanten Bereichen in der Montage zum Beispiel für Automotive.
00:09:11: Weil?
00:09:12: Weil, berührungslos, reibungsarm, keine Partikel-Entstehung.
00:09:17: Keine
00:09:17: Schmierstoffe?
00:09:18: Keine Schmierstoffe, genau, exakt.
00:09:20: Und damit insgesamt wirklich spitze des Standes der Technik.
00:09:25: Jedes andere bisher bekannte System, was irgendwie berührend arbeitet, mit Rollen, mit Lagern kann Potenzialpartikel erzeugen, die Potenzial wiederum über den Luftstrom oder auch direkt in das Produkt fallen können.
00:09:38: Also auch Halbleiterindustrie ist ein Fokus?
00:09:40: Auch Halbleiterindustrie.
00:09:42: Nicht so weiter Levitation.
00:09:43: Es gibt keine Berührung, es entstehen keine Partikel und damit ideale Bedingungen für genau diese Branchen, die auf höchste Sauberkeit wertlegen.
00:09:51: Wie hast du das damals in deinem Hobbykeller?
00:09:53: Erklär uns mal ein bisschen deinen Versuchsaufbau dort und was hast du da gemacht?
00:09:58: Und was hat deine Frau dazu gesagt?
00:10:00: Ja, das ist die zweite Frage.
00:10:02: Gut, jedem Tierchen sein Pläsirchen, das war halt meins, um das mal kurz zu beantworten.
00:10:08: Sie geht anderen Hobbys nach und das sind halt meine Hobbys.
00:10:11: Zurück zum Thema, was war mein Ansatz?
00:10:14: Ich hatte zunächst frühzeitig schon mit Kollegen über die Idee gesprochen und da schon das Feedback bekommen, das kannst du vergessen, das wird nichts.
00:10:21: Das kann nicht funktionieren, sogar mit physikalischer Erklärung.
00:10:24: Ich war zu dem Zeitpunkt natürlich selbst unsicher.
00:10:27: und hab dann tatsächlich erst mal abgelassen von der Idee.
00:10:30: Es klang für mich plausibel, was er sagte.
00:10:32: Die Idee war, das wird viel zu langsam sein.
00:10:34: So schnell kannst du die Akteuren gar nicht steuern, dass der Mova nicht vorher abstürzt.
00:10:39: Und dann dachte ich irgendwann, jetzt probier's halt mal aus, geh in deinen Keller, probier's aus.
00:10:44: Du brauchst ja mit niemandem drüber zu reden, wenn's funktioniert ist gut, wenn nicht, nicht.
00:10:49: Und so hab ich den ersten Aufbau gemacht, ein Schwenkarm aufgehängt, der nur zwei Bewegungsfreiheitsgrade hat, sagen wir ihn.
00:10:56: seitlich und aufwärts und daran Magnete befestigt, darunter zwei Motoren, die ebenfalls Magnete auf der Achse trugen.
00:11:05: und ich habe dann die Regelung zugeschaltet und konnte mit einem relativ einfachen Algorithmus schaffen, dass dieser Arm quasi in der Luft hängen bleibt und auf dem Arm kommt ich auch schon Nutzlast unterbringen.
00:11:19: Das waren so zweihundert Gramm maximal, die dann stabil in der Luft schwebten.
00:11:23: Natürlich schwebten sie nicht wirklich, es waren ja nur zwei Freiheitsgrade.
00:11:27: Das hat mich inspiriert für den nächsten Schritt, die Plattform mit sechs Freiheitsgraden, wo also eine Plattform wirklich berührungslos im Raum schwebt.
00:11:36: Und dann hast du es alles wieder eingepackt und bist wieder in die Firma gegangen und gesagt, ich habe es hinbekommen und jetzt machen wir weiter.
00:11:43: Nein, noch nicht.
00:11:44: Mir war klar, dass ich handfestere Argumente brauche.
00:11:47: Ich wollte erst die Plattform haben, die zeigt, dass überhaupt eine technische Möglichkeit besteht.
00:11:52: Der zweite Schritt war dann die Plattform, die wirklich in sechs Freiheitsgraden schweben konnte.
00:11:56: Das war eine Holzplatte mit Magneten drunter, die über einem Stator schwebt.
00:12:01: Ich konnte eine Nutzlast von bis zu vierhundert Gramm ungefähr auf dieser Holzplatte zum schweben bringen, aber diese Holzplatte konnte sich noch nicht seitlich bewegen.
00:12:11: Das war der dritte Schritt.
00:12:13: Der dritte Schritt zielte darauf, seitliche Bewegung und Kippwinkel ansteuern zu können und wirklich alle sechs Freiheitsgrade der Bewegung nutzen zu können.
00:12:22: Das war der nächste größere Demonstrator.
00:12:25: Dann bin ich tatsächlich... Immer
00:12:26: noch im Keller.
00:12:27: Im Keller, aber diesmal... Mit
00:12:31: Firmenmitteln.
00:12:31: Okay, immerhin.
00:12:33: Die Größenordnung überstieg dann irgendwann mein Hobbybudget.
00:12:37: Und so habe ich dann die Idee tatsächlich vorgetragen.
00:12:40: Und für gute Ideen ist bei uns tatsächlich immer gutes Geld da.
00:12:43: Das war auch meine sehr positive Erfahrung.
00:12:45: Es gab Geld.
00:12:47: Alle waren gespannt auf das Ergebnis.
00:12:48: Und ich habe das realisiert in Hardware.
00:12:51: Zuvor hatte ich es übrigens.
00:12:52: in Software als Simulation simuliert.
00:12:54: Und ich muss sagen, so ein System kann man gar nicht auslegen, wenn man sich vorher simuliert hat.
00:12:59: Das ist wichtig.
00:13:00: Wann kommen wir in den Schritt frier?
00:13:01: Wann hast du es wieder mit ins Unternehmen gebracht?
00:13:03: Also jetzt müssen wir weitergehen.
00:13:05: Die dritte Plattform war so reif, dass ich sie dann mit ins Unternehmen genommen habe und dort auch präsentiert habe.
00:13:12: Ich konnte tatsächlich an einem Rover zunächst alle sechs Freiheitsgrade demonstrieren, frei bewegen, ansteuern.
00:13:19: Ehrlicherweise... schaukelte die Plattform zu dem Zeitpunkt noch intensiv bei der Fortbewegung und es waren weitere Optimierung nötig.
00:13:28: Was ich nicht absehen konnte, dass diese weiteren Optimierung noch weitere Jahre dauern würden.
00:13:34: Wie hast
00:13:34: du das im Keller angesteuert?
00:13:37: Du sagst jetzt, ich habe nur zwei Freiheitsgrade gehabt, aber wie hast du die Ansteuerung gemacht?
00:13:42: Das war eine reine elektronische Schaltung.
00:13:45: Ergänzt durch einen Achtbit Mikrocontroller.
00:13:49: Das einfachste, was ich greifbar hatte, war gut genug, um zu zeigen, dass man diese Regelung in Zweifahrheitsgraden erreichen kann.
00:13:56: Jetzt hast du ja gesagt, permanent Magneten, magnetische Felder, das macht den Leuten immer irgendwelche Sorgen.
00:14:03: Ist es bedenkenlos nutzbar in der Industrie?
00:14:07: Nicht bedenkenlos.
00:14:08: Wir haben immerhin Magnete, die zwar in unserer Technologie geschirmt sind hinter Distanz.
00:14:15: Haltern, also Kunststoffplatten und Abstandshaltern, aber dennoch emittieren sie ein.
00:14:21: magnetisches Feld, was Potenzial eine Gefährdung darstellt für Implantatsträger, die ich vorher Herzschritt mache.
00:14:28: Wir haben entsprechende Warnhinweise auf dem Produkt.
00:14:30: Kennst du ja dieses genahte... Richtig,
00:14:32: dieses durchgestrichene Herzschrittmacher-Symbol oder ein Symbol für starke Magnetfelder.
00:14:38: Das ist aber durchaus üblich in der Industrie.
00:14:40: Ähnliche Produkte sind bereits eingeführt, wie schon erwähnt, Liniamotoren, die ebenfalls mit sehr starken Neodym-Eisenbohrmagneten bestückt sind und entsprechende Magnetfelder imitieren.
00:14:51: Lass uns nochmal, du hast jetzt angesprochen, das Magnetfeld-Thema, aber ich kann ja auch meine Finger zwischen diese Geräte bekommen.
00:14:57: Was passt, oder stoppt das?
00:14:59: Wie funktioniert das?
00:15:00: Die Safety
00:15:01: sozusagen.
00:15:01: Die Safety ist bei uns intrinsisch vorhanden, da wir zehnmal höhere Schwebeabstände bereitstellen können als übliche spulenbasierte Systeme.
00:15:09: Unser MOVA schwebt beispielsweise zwanzig Millimeter hoch.
00:15:12: Da inbegriffen ist schon, dass wir zusätzliche Reserve abgezweigt haben an Schwebehöhe.
00:15:17: um diese mit Abstandshaltern zu füllen.
00:15:20: Das heißt, wir haben im Mova und in der Kachel Abstandshalter die die maximalen Kräfte begrenzen.
00:15:26: Jeder weiß das.
00:15:27: Das ist das Thema Küchentischphysik.
00:15:29: Die letzten Millimeter bei der Annäherung zweier Magnete sind entscheidend.
00:15:33: Wenn ich also nur zwei, drei, vier Millimeter Abstandshalter einfüge, kann ich diese maximalen Kräfte massiv reduzieren.
00:15:39: Ja, wenn man es am Küchentisch probiert, irgendwann klackt es zusammen und dann Man muss genau den Punkt finden, wo es nicht passiert, oder?
00:15:46: Exakt.
00:15:47: Und diese Abstandshalter tragen Rechnung, diese Gewährleisten, diese Schutzfunktion, sodass wir heute, wenn wir auch irgendwie selbst mutwillig versuchen, unsere Finger dazwischen zu bekommen, keine Quetschungen haben, keine Hemmatome erzeugen, keine Verletzungen erzeugen, sodass der Umgang mit den Systemen unter der Prämisse kein Implantatsträger gefahrlos möglich ist.
00:16:11: Jetzt steht es bei euch in der R&D, oder?
00:16:14: Wo befindet ihr euch gerade?
00:16:15: in welchem Status?
00:16:16: Ja, seit zwanzig ein und zwanzig ist die Technologie voll beherrscht und wir haben uns dann entschieden, mit Rexro zusammen die Produktentwicklung zu starten.
00:16:25: Seit Anfang zweiundzwanzig läuft die Produktentwicklung.
00:16:28: Die Systeme stehen bei uns in der Entwicklung, aber es sind auch weitere aufgebaut worden, die bereits bei ersten Leitkunden stehen, die erste Erfahrung mit diesem frühen Produkt sammeln und uns Feedback geben, was wertvoll ist für die weitere Entwicklung.
00:16:41: Jetzt hast du elf Jahre daran gearbeitet.
00:16:43: Jetzt hast du das begleitet, dieses Produkt.
00:16:45: Du hast es im Prinzip für die Bosch-Welt erfunden und ins Leben gebracht.
00:16:50: Was steht jetzt bei dir an?
00:16:52: Ist es auserzählt das Thema?
00:16:54: sind die Grenzen erreicht?
00:16:56: und du sagst, ich konzentriere mich jetzt auf das Neues.
00:16:57: Meine Frau, hat wir ein neues Thema im Hobbykeller oder was passiert jetzt gerade bei in deiner Aufgabe?
00:17:03: Ja, gute Frage.
00:17:04: Also ich habe mich tatsächlich seit einigen Jahren vollständig diesem Thema verschrieben.
00:17:08: Beruflich und privat muss ich schon sagen und ich kämpfe dafür, dass wir das jetzt erfolgreich in den Markt bringen und auch erfolgreich in der Umsetzung sind.
00:17:18: Das ist nicht selbstverständlich.
00:17:20: Im Umfeld der Forschung und Vorausentwicklung ist bekannt.
00:17:23: Wie schwer es ist, Innovation wirklich zum Fliegen zu bringen, damit es in den Markt kommt und angewendet werden kann in verschiedensten Branchen.
00:17:31: Daran arbeiten wir, dafür kämpfen wir nach wie vor.
00:17:34: Und wir sind über den Punkt hinweg, dass wir die Technologie jetzt wirklich beherrschen und jetzt koordiniert zum Produkt weiterentwickeln.
00:17:43: Genau, wenn du Innovation in den Markt bringen willst, musst du entweder einen Kunden-Pain lösen oder was viel besser machen als bestehende Technologie, oder?
00:17:51: Richtig.
00:17:53: Und hier sind wir tatsächlich dabei, dass wir das letzte und eigentlich beide Punkte adressieren mit unseren acht USPs.
00:18:01: USPs, also Unix Selling Propositions, Alleinstellungsmerkmalen.
00:18:04: Was
00:18:05: sind die?
00:18:05: Nummer eins?
00:18:06: Ja, Nummer eins.
00:18:07: Die große Levitationshöhe von ca.
00:18:09: zwanzig Millimeter, zehnmal höher als wir das erreichen können mit üblichen spulenbasierten System bei encher Payload.
00:18:15: Zwei?
00:18:16: Aufgrund der großen Höhe der große Kippwinkelbereich von etwa plus minus zehn Grad.
00:18:21: Drei?
00:18:22: die sichere Betrieb auch an der Wand und über Kopf.
00:18:25: Ich kann also den Ober an der Wand fahren und auch über Kopf.
00:18:29: Wir können alle sechs Freiheitsgrade simultan ansteuern.
00:18:34: Wir haben zusätzlich zur Schwebetechnik auch einen Schmankerl integriert.
00:18:39: Das ist die drahtlose Energie- und Datenübertragung, die wir auch dem Endkunden für verschiedene Applikationen zur Verfügung stellen.
00:18:48: Wir brauchen keine Wasserkühlung.
00:18:49: Der Energiebedarf ist so gering, dass wir ohne Wasserkühlung auskommen.
00:18:52: Nummer sieben?
00:18:54: Der Energiebedarf ist unabhängig von der Nutzlast.
00:18:57: Nutzlast ist wie viel?
00:18:58: Die Nutzlast ist sechs Kilogramm.
00:19:00: Und ob ich null Kilogramm draufstelle oder sechs Kilogramm, der Energiebedarf ist immer gleich anders als bei spulenbasierten Systemen.
00:19:07: Und Nummer acht?
00:19:08: Die sichere Handhabung der Mover.
00:19:10: Ich kann mir die Finger nicht quetschen.
00:19:12: Du hast gerade gesagt, über Kopf kannst du es auch transportieren.
00:19:16: wird ja schwierig, weil das Medium fällt ja runter.
00:19:19: Das muss ich sichern.
00:19:20: Wie stellt ihr euch das vor?
00:19:21: Ja, ganz genau.
00:19:22: Was da schwebt, ist letztendlich nur der Mover auf dem Stator.
00:19:26: über Kopf durchaus möglich.
00:19:28: Aber das Produkt auf dem Mover ist nach wie vor in berührendem Kontakt.
00:19:32: Aber wir bieten die Möglichkeit, über berühungslosen Daten und Leistungstransfer zum Beispiel elektrisch haltbare Spannvorrichtungen vorzusehen, mit dem dann automatisch die Produkte auf dem Werkstückträger gespannt werden.
00:19:43: Das ist ja ein riesen Thema.
00:19:45: Ich gehe sozusagen unter die Decke, spare mir sozusagen Platz am Boden und fahre sozusagen unter der Decke.
00:19:51: meine Fördertechnik im Prinzip.
00:19:53: Ja, jetzt muss man ehrlicherweise sagen nach dem vielen.
00:19:55: Kundenfeedback, was wir haben, ist das Interesse eher an Wandapplikationen, also senkrecht zu fahren.
00:20:01: Das hat für zum Beispiel die Pharmaindustrie einen riesen Vorteil.
00:20:05: Die Luft kann laminar an dieser Wand herunterströmen, trifft nicht auf eine Tischplatte und wird verwirbelt, was wieder Staub aufwirbeln könnte, der eigentlich nicht vorhanden sein sollte.
00:20:15: Aber dennoch es schafft ideale Bedingungen zur Abfüllung von Pharmazeutika, die ja natürlich braucht man nicht erklären.
00:20:23: extreme Sauberkeitsanforderungen mit sich bringen.
00:20:26: Du hast gerade gesagt Packaging war ein großes Thema in der Pharmaindustrie, ja.
00:20:30: Kannst du mir nochmal den Prozess nach der Abfüllung, dann verlassen ja die die Ampullen oder die Gläschen oder die Fläschchen.
00:20:37: werden die dann vereinzelt und dann sozusagen auf die Mover gestellt?
00:20:40: oder wie funktioniert das?
00:20:42: Das überlassen wir dem Kunden.
00:20:44: Das ist das Geschäft des Kunden und jeder Hersteller wird da seine eigene Strategie verfolgen.
00:20:49: Wir bieten mit unserem System lediglich in Anführungen, strichen die Plattform, auf der der Kunde seine Ideen mit einer neuen Technologie realisieren kann und die Kunden sind sehr kreativ.
00:21:01: Wir stellen quasi ein neues Maschinelement bereit, was dem Kunde die Möglichkeit eröffnet.
00:21:06: kreativ auf Maschinebene zu werden.
00:21:09: Das ist spannend.
00:21:10: Du hast bei den USPs gesagt... sechs Kilo maximal.
00:21:14: Aber was bedeutet das denn als Volumen?
00:21:16: Also wie groß kannst du so ein Mover bauen, das du noch transportieren kannst?
00:21:21: Da sind wir nicht gebunden.
00:21:22: Man stelle sich ein Styroporklotz vor, der kann sehr groß sein und trotzdem transportiert werden.
00:21:28: Wir werden beim Transport natürlich Randbedingungen berücksichtigen müssen, keine Kollision.
00:21:32: Das kann man dann im Zielprodukt durch ein umschreibendes Rechteck zum Beispiel definieren oder einen umschreibenden Quader definieren, so dass also keine Kollisionen auftreten.
00:21:42: Kannst du mir noch mal am Ende, du hast am Anfang Packaging angesprochen.
00:21:48: Wo siehst du es noch in welchen Anwendungen?
00:21:50: Was könnt ihr euch noch alles vorstellen?
00:21:53: Ja, der Leitgedanke ist ja saubere Fertigung.
00:21:56: Wo finden wir das?
00:21:57: Typischerweise in der Halbleiter Fertigung fangen wir mal so an.
00:22:01: Dann Farmer, Industrie, Nahrungsmittel, Food.
00:22:04: in der Automatisierung, zum Beispiel Montageanlagen, wo Ruhr-Reinheitsanforderungen erforderlich sind.
00:22:11: Aber auch, und das ist ein ganz anderes Feld neben der Sauberkeit, in Bereichen, wo höchste Flexibilität erforderlich ist, Stichwort Industriev.null.
00:22:19: Individuelle Prozessketten abzufahren mit einzelnen Produkten auf einer Großserienlinie ist ein Kerngedanke der Industriev.null.
00:22:28: Stichwort, das Produkt sucht sich seinen eigenen Weg durch die Fertigung.
00:22:31: Solche Szenarien lassen sich mit einem Klasse.
00:22:34: Doppelgurtband heute nur schwer realisieren.
00:22:37: Da haben wir mit der Schwebetechnik einen großen Vorteil.
00:22:40: Wo dockt ihr denn architektonisch mit der Steuerung dieses Systems an?
00:22:45: Weil wenn du jetzt einfach eine normale Fördertechnik hast, das läuft über das WMS System sozusagen, Warehouse Management System oder meistens WMS System, wo dockt ihr da an?
00:22:56: An der Maschinensteuerung des Kunden.
00:22:59: Die Maschinensteuerung gibt die Setpoints vor für die Bewegung dieser Eins bis End Mover und das ist unser Eintrittspunkt.
00:23:07: Wir haben eine sogenannte Head Control für einen bis N-Kacheln, die wir anschließen an diese Head Control.
00:23:15: Die Head Control ist eine Controlix Core und das ist das Interface für den Kunden und hier kann er dann auch durchaus Fremdsteuerungen oder weitere Funktionen anschließend integrieren, die Verbindung zur Cloud herstellen oder andere wesentliche Funktionen.
00:23:32: abrufen, die wir natürlich nicht für dieses Produkt nochmal neu entwickeln wollen.
00:23:35: Da haben wir schon die Lösung.
00:23:36: Das ist die Kontroll X-Core.
00:23:38: Jetzt hatte ich das Thema zehn Jahre lang begleitet in deiner täglichen Arbeit, im Berufsleben, im Privatleben.
00:23:46: Was machst du jetzt, wenn es im Markt ist?
00:23:48: Was ist dein nächstes Thema, das du sagst, darauf gehe ich?
00:23:52: Es ist nicht so, dass ich nicht noch andere Ideen im Kopf hätte, die mich umtreiben, die nur darauf warten, vielleicht wachgeküsst zu werden, aber ganz ehrlich, All die Ideen sind nichts wert, wenn man nicht konsequent mal ein Thema wirklich durchdekliniert und zu Ende bringt.
00:24:07: Und das ist mein wirklicher Wunsch.
00:24:09: Und das habe ich mir auch absichtlich vorgenommen.
00:24:11: Ich möchte an diesem Thema gleichzeitig auch erproben, wie funktioniert denn Innovation von der allerersten Idee bis zum kaufbaren Produkt, was erfolgreich im Markt sich etabliert.
00:24:24: Aber woran, woran denkst du?
00:24:26: Was ist so in deinem Hinterkopf?
00:24:27: Was möchtest du tun noch?
00:24:29: Was reizt dich?
00:24:30: Ich denke, da sind viele technische Ideen zu nennen, die vielleicht noch ähnlicherweise im Keller erprobt werden wollen, um zu schauen, ob sie erfolgreich sind.
00:24:39: Das Schöne am Keller ist, es ist ein Safe Space.
00:24:42: Man kann was ausprobieren, wird es nichts, braucht man es mit keinem zu diskutieren, man spart sich viel Diskussion.
00:24:48: Wird es was, kann man dran weiterarbeiten.
00:24:50: Bis ein junges Pflänzchen entstanden ist, was so trittfest ist, dass es auch der Diskussion mit anderen vielleicht nichts... Wohlwollenden Partnern Stand hält.
00:24:59: Joachim, wir wünschen dir alles Gute.
00:25:01: Wir sind gespannt.
00:25:02: Du willst nicht so ganz rausrücken, was zur Technologie, was dir so schwarz wird?
00:25:06: Völlig okay.
00:25:07: Wir besuchen dich mal im Keller und dann schauen wir uns an, was du da so treibst.
00:25:10: Zum Ausblick nochmal.
00:25:11: Gibt es ein fertiges Produkt?
00:25:13: Gibt es ein Produktnamen?
00:25:14: Kann ich das irgendwo sehen?
00:25:16: Zeigt ihr es irgendwo her?
00:25:18: Ja, der Produktname ist fertig vor dem Produkt.
00:25:21: Der heißt bei uns Control-X-Flow-Sex-D.
00:25:23: Unter diesem Namen kann man bereits im Internet oder auf Messen oder anderen Kanälen bereits Einblick erhalten und eine Vorstellung bekommen, wie unser Produkt aussehen wird.
00:25:32: Und für alle Zuhörerinnen und Zuhörer, wir machen noch eine Folge zum Thema.
00:25:36: Und dann mit den Kollegen von der Produktseite, die uns erklären, wie sie sozusagen aus der Innovation, aus dem AND eine Produktisierung mitgemacht haben.
00:25:44: Und was das jetzt bedeutet für die Industriekunden.
00:25:47: für die verschiedensten Anwendungen, wie sie es ansteuern mit ihrer Steuerung.
00:25:51: Da dürft ihr euch schon darauf freuen.
00:25:52: Joachim, vielen Dank.
00:25:53: Danke auch.
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