Ergonomie: Der unterschätzte Erfolgsfaktor

Shownotes

In dieser Folge spreche ich mit Erdinc Bozoglu von Bosch Rexroth darüber, warum Ergonomie am Arbeitsplatz in der Industrie oft unterschätzt wird und welche enormen Effekte sie auf Effizienz, Fehlerquote und Krankenstand haben kann. Wir diskutieren, wie Unternehmen durch gezielte Planung und smarte Anpassungen nicht nur die Gesundheit der Mitarbeitenden schützen, sondern auch wirtschaftlich profitieren. Außerdem teilen wir Erfahrungen aus der Praxis – von häufigen Fehlern bis hin zu messbaren Erfolgen, die sich direkt auf den ROI auswirken. Gemeinsam werfen wir einen Blick auf die Zukunft ergonomischer Arbeitsplätze, den Einfluss von Automatisierung und Modularität sowie die Bedeutung für den Fachkräftemangel. Wer wissen will, warum Ergonomie mehr als Rückenschmerzen-Vermeidung ist, sollte diese Folge nicht verpassen!

Produced by Bosch Rexroth AG, Vertrieb Europa Mitte Susanne Noll

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00:00:08: Hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcastes 'Industrie neu gedacht'.

00:00:13: Mein Name ist Robert Weber und mir gegenüber sitzt Erdinc Bozoglu von Bosch Rexroth. Erdinc,

00:00:19: willkommen im Podcast.

00:00:21: Hi, vielen Dank! Wir wollen heute über ein Thema sprechen, dass so ein bisschen unterschätzt wird, glaube ich manchmal in der Industrie, nämlich über das ganze Thema Ergonomie - ergonomische Arbeitsplätze.

00:00:32: Bevor wir aber starten, stelle ich doch ganz kurz den Zuhörerinnen und Zuhörenden in zwei, drei Sätzen vor.

00:00:38: Gut!

00:00:38: Ich bin der Erdinc Bozoglu.

00:00:39: Bin Produktmanager bei Bosch Rexroth für manuelle Produktionssysteme und seit mittlerweile drei Jahren als Produktmanager tätig.

00:00:47: Und beim manuellen Produktionsystem geht es eben um Lean Production und Ergonomie.

00:00:50: Das sind die zwei Fokusthemen, wonach wir die Betriebsmittel dann auslegen.

00:00:54: Bevor wir in euer Offering reinkommen, lasse uns doch mal grundsätzlich über die ergonomischen Regeln, Grundregeln am Arbeitsplatz sprechen.

00:01:04: Was gibt es da?

00:01:05: Was existiert da? Was sind die Anforderungen?

00:01:08: Wir unterteilen es grundlegend in vier verschiedene Blöcke:

00:01:11: Wir unterteilen es in Körper, Bewegung, Sicht und Planung.

00:01:15: Zum Körper zählt beispielsweise die Berücksichtigung der Körpergrößen, der Arbeitsbereiche oder auch der richtigen Einstellung der Arbeitsmittel.

00:01:22: Bei der Bewegung sprechen wir vom Greifraum und der Bewegungsfreiheit des Mitarbeiters am Arbeitsplatz.

00:01:28: Zu Sicht gehören die Blickbereiche und auch die Beleuchtung

00:01:31: natürlich, ist ein großer Faktor.

00:01:33: Bei der Planung muss man die Planungsmittel berücksichtigen, alles was man im Vorfeld plant, kann man sich hinterher durch Anpassungen sparen.

00:01:40: Warum unterschätzen wir dieses Thema?

00:01:42: Weil eigentlich ist es ja alles total logisch, was du gerade gesagt hast - diese Basis, diese Grundregeln.

00:01:48: Warum tun wir uns da immer noch schwer bei den Themen?

00:01:51: Gut Ergonomie wird immer auch mit einem Erstinvest verbunden und häufig werden dann die Kosten gesehen, anstatt sich auf die Benefits zu konzentrieren,

00:01:59: die sich eben dadurch ergeben, wenn man die Arbeitsplätze ergonomisch gestaltet. Und da liegt meist der Fokus eben auf den Kosten und deswegen wird das andere, die Benefits, ein bisschen zurückgestellt.

00:02:08: Lass uns mal über Benefit sprechen.

00:02:10: Kann man das quantifizieren?

00:02:12: Was Ergonomie für Benefits hat?

00:02:14: Oder was sind die Erfolgsfaktoren von Ergonomie in der Produktion?

00:02:19: Die Erfolgsfaktoren sind - gut, man muss sich natürlich erstmal den Megatrends gegenüberstellen,

00:02:24: also das ist der Fachkräftemangel und auch der steigende Wettbewerbsdruck.

00:02:27: Heute müssen die Unternehmen eben mit dem gleichen Personal mehr leisten.

00:02:32: Dabei sind die Tätigkeiten natürlich auch anspruchsvoll.

00:02:34: Man hat einen gewissen Wettbewerbsdruck, um immer effizienter zu werden.

00:02:38: Und wenn man diesen Spagat schaffen möchte zwischen immer mehr schaffen mit weniger Menschen, aber trotzdem effizienter zu werden, muss man eben die Prozesse dementsprechend optimieren.

00:02:47: Mit Menschen, die immer älter werden auch?

00:02:49: Menschen auch, die immer älter werden.

00:02:50: Genau, das ist natürlich auch ein Faktor, der immer mehr zu tragen kommt.

00:02:54: Und die länger arbeiten müssen vielleicht sogar - als ältere Menschen.

00:02:57: Wenn du mal rausgehst und du bist bei Unternehmen. Was sind die häufigsten Probleme, die du siehst?

00:03:03: Wo sagst du "Boah, da graut's mir, wenn ich das sehe"?

00:03:08: Gut, gibt es verschiedene.

00:03:09: Wenn ich meinen letzten Kundenbesuch denke, würde ich sagen...

00:03:12: Also es ist einfach, man muss berücksichtigt lassen, das ein Mensch an diesem Arbeitsplatz arbeitet.

00:03:16: Wenn ich da sehe, wie geplant wurde und zu welchen Rückenproblemen, Nackenschmerzen oder Schulterproblem führen kann, durch die nicht optimale Anpassung der Betriebsmittel, sehe ich dann natürlich viel Verbesserungspotenzial bei den Kunden und auch bei den Unternehmen

00:03:32: im Feld.

00:03:33: Weil's selber geplant ist?

00:03:34: Weil man einfach so gemacht hat, wie das passt... Warum ist das so?

00:03:39: Warum holt man sich da nicht professionell sofort Hilfe?

00:03:42: Ich denke mal, bei einer langfristigen Planung ist natürlich der Erstinvest wird dann berücksichtigen und die Betriebsmittel müssen funktionieren und sollten relativ schnell einsetzen.

00:03:50: "Haben wir schon so gemacht"?

00:03:51: Ja genau, dass auch der Klassiker: "Haben wir immer schon sogemacht".

00:03:54: Und da sind noch nicht so die Sinne geschärft für so eine Anpassung und werden meiner Meinung nach auch die Mehrwerte nicht direkt betrachtet.

00:04:06: Da wird der Invest, der erstmalige Invest meist höher bewertet als die langfristigen Effekte.

00:04:11: Und erlebst du das dann, wenn du mit den Menschen dort sprichst in der Produktion,

00:04:15: dass sie sagen "ja, ich habe schon Rückenschmerzen, aber auf einem Arbeitsplatz hab' ich das irgendwie nie zurückgeführt"?

00:04:19: So, gibt's da, dass man sagt, vielleicht hat es... also, dass es gar kein Bewusstsein dafür gibt,

00:04:24: dass es was damit zu tun haben könnte?

00:04:25: Definitiv, definitiv!

00:04:27: Und wenn man die Arbeitsplätze begutachtet und mal schaut, wie die Mitarbeiter arbeiten, könnte man relativ leicht den Bezug aufs normale Leben und einen normalen Alltag eines Mitarbeiters reflektieren.

00:04:41: Man muss eben versuchen, alle Bewegungen und Prozesse am Arbeitsplatz eben möglichst nahe am natürlichem Umfeld des Menschen zu planen und auch die natürlichen Bewegung des Menschen berücksichtigen.

00:04:53: Wie macht ihr das?

00:04:54: Kommst du dann dahin und schaust dir an, wie der Arbeitsprozess ist, 

00:04:57: und machst du dann Notizen dir?

00:04:59: Oder wie sieht es aus?

00:05:00: Erklär mal so einen Prozess, wenn du zum Kunden kommst.

00:05:03: Gut,

00:05:03: im optimalen Fall gibt's eine Planung im Vorfeld.

00:05:05: Dass heißt, wir müssen keine Anpassungen am bestehenden Arbeitsplatz

00:05:09: machen.

00:05:10: Am bestehende Arbeitsplatz ist meist so, dass wir uns anschauen, wie die Mitarbeiter arbeiten - wie sie sich bewegen.

00:05:17: Dann gibt es relativ einfache Hebel, die du in Bewegung setzen kannst.

00:05:21: Beispielsweise darauf achten, dass eben der Rumpf nicht bewegt wird während der Arbeit oder dass wenn die Schultern bewegt werden, nicht unter Last erfolgt.

00:05:30: Außerdem dass die Betriebsmittel dem Menschen angepasst sind, also die Körperhöhen berücksichtigen und auch die Lichtverhältnisse dementsprechend sind, dass beispielsweise keine Blendung stattfindet.

00:05:42: Was ist die größten Fehler, die du immer siehst?

00:05:45: Wo werden die größten Fehler gemacht?

00:05:47: Die größte Fehler werden gemacht, indem man nicht die unterschiedlichen Höhen der Mitarbeiter berücksichtigt.

00:05:51: Echt?

00:05:51: Ist das wirklich noch? Okay...

00:05:52: Ja, würde ich tatsächlich sagen, es kommt immer mal wieder vor.

00:05:55: Es ist natürlich schwierig.

00:05:56: Klar, wenn man jetzt vom Zweischichtbetrieb ausgeht, ist nicht immer sichergestellt, dass immer derselbe Mitarbeiter am Arbeitsplatz ist, und das muss man tatsächlich auch bei der Einstellung der Betriebsmittel berücksichtigen und auch ermöglichen, dass es flexibel anpassbar ist an jeden Mitarbeiter.

00:06:11: Wie viel ist denn davon, sagen wir mal freiwillig und wieviel ist gesetzlich vorgeschrieben?

00:06:16: Gesetzlich vorgeschrieben, würde ich sagen, ist relativ wenig.

00:06:20: Also das liegt dann schon in der Pflicht und auch in der Motivation der Unternehmen eben, nachhaltige Arbeitsplätze zu gestalten für ihre Mitarbeiter.

00:06:28: Jetzt kommst du nach Hause, jetzt hast du dir das angeschaut.

00:06:30: Jetzt kommst du wieder zurück.

00:06:32: Wie macht ihr dann weiter?

00:06:33: Macht ihr einen Vorschlag an den Kunden, wie man diesen Arbeitsplatz verbessern könnte?

00:06:37: Du hast ja gesagt, Lean und Ergonomie - also greift auch beides ineinander, die Themen.

00:06:42: Wie geht ihr dann vor?

00:06:44: Meist versuchen wir, nicht nur den einzelnen Arbeitsplatz sehen, sondern das gesamte Bild.

00:06:47: Also es ist auch so ein Fehler, dass man sich auf einzelne Komponenten konzentriert, anstatt das gesamte Bild zu sehen und den gesamten Prozess.

00:06:54: Und dann unterstützen wir damit den Kunden natürlich dabei, indem wir unsere digitalen Planungstools verwenden, um dann möglichst alle Betriebsmittel - nicht nur den Arbeitsplatz - optimal auf die Mitarbeiter einzustellen.

00:07:07: Digitales Planungstool heißt, ich habe auch eine Prozessvisualisierung dabei oder Durchfluss eines Werkstücks oder was kann ich mir darunter vorstellen?

00:07:14: Beim digitalen Planungstool geht's hauptsächlich eben um den Arbeitsplatz, in dem ich dann Mitarbeiter einblenden kann,

00:07:20: die unterschiedlichen Körpergrößen simulieren kann... dann die Blickbereiche und die Greifräume visuell

00:07:26: darstelle.

00:07:27: Okay, da ist der Fokus absolut Egonomie in dem Bereich.

00:07:31: Bist du wieder bei Bosch Rexroth,

00:07:33: hast die Planung gemacht für den Kunden.

00:07:35: Wie schnell kann ich das denn umstellen?

00:07:37: Wie schnell

00:07:38: könnt ihr liefern und wie schnell steht mein neuer ergonomischer Montagearbeitsplatz da?

00:07:42: Gute Lieferung kann relativ schnell erfolgen. Wir haben vieles auf Lager und können es direkt auch bedienen.

00:07:48: Was hinsichtlich der, wie schnell so Verbesserungen realisiert werden im Feld, hängt natürlich von der Größe ab.

00:07:54: Also kleinere Änderungen können wir an einem Tag machen, meist werden da auch Wartungsfenster genutzt. Für längere oder größere Anpassungen können es auch bis zu ein, zwei Wochen dauern oder mehrere Wochen nehmen,

00:08:07: weil da eben auch die Planung intensiviert werden sollte.

00:08:10: Weil

00:08:11: ihr ja auch den Produktionsprozess berücksichtigen müsst?

00:08:13: Richtig,

00:08:13: genau!

00:08:14: Wir versuchen da, die Stillstandszeiten minimal zu halten, und damit wir einfach nicht den laufenden Betrieb gefährden.

00:08:21: Wie

00:08:21: ist das eigentlich?

00:08:22: Kommen die erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, also wenn alle Mitarbeiter schon nur noch zum Montageplatz humpeln, weil sie Rückenschmerzen haben?

00:08:29: Oder wann ist der Punkt, wo Unternehmen sagen "jetzt mache ich was"?

00:08:32: Ich würde sagen, generell kommen Sie, wenn sie etwas Neues machen möchten. Ok, eine neue Linie?

00:08:37: Genau, den klaren Bezug zwischen Krankenstand und bestehender Linie wird selten gesehen, würde ich sagen.

00:08:44: Okay,

00:08:44: okay.

00:08:45: Spannend!

00:08:46: Aber das sagst du ja, ist ein Thema, oder?

00:08:47: Definitiv!

00:08:49: Also jeder sollte sich mal seinen Krankenstand anschauen und überlegen "hat das vielleicht was mit meiner Ergonomie zu tun?"

00:08:54: Definitiv,

00:08:54: und es sind auch einfachste Sachen, die man berücksichtigen kann, wie zum Beispiel passt die Höhe,

00:09:02: muss er seinen Rumpf bewegen, haben die Schultern Last?

00:09:07: Beugt er sich regelmäßig der Mitarbeiter?

00:09:09: All das kann eben zu Beschweren führen.

00:09:11: Jetzt sagen alle "oh ja okay, toll, was du uns da erzählst",

00:09:15: aber kann man das monetär sozusagen zurückrechnen?

00:09:19: Gibt es sozusagen Möglichkeiten, zu sagen Ergonomie lohnt?

00:09:22: Ist der ROI ab Tag X da?

00:09:25: Definitiv, also wir haben auch im Feld wirklich messbare Effekte gesammelt, auch bei unseren Kunden, wo dann die Prozesssicherheit gesteigert werden konnte um zwanzig bis dreißig Prozent, die Fehlerquoten gesenkt werden konnten und außerdem die körperliche Belastung.

00:09:39: Also wenn man sich wirklich nur auf Mitarbeiter konzentriert, wenn die körperliche Belastungen um dreißig bis fünfzig Prozent gesenkt werden kann, hat das...

00:09:45: Dreißig bis fünfzig Prozent?

00:09:47: Dreißzig bis fünftig Prozent gesenkt werden kann, hat es natürlich auch ein Einfluss auf die Krankheitstage. Und wenn diese gesenkt werden kann, dann hat man mehr Mitarbeiter zur Verfügung übers Jahr gesehen.

00:09:59: Aber dreißig bis fünfzig Prozent ist ja noch enorm viel Spielraum?

00:10:02: Es ist enorm viel Spielraum,

00:10:03: aber es ist auch wie bei dir im Alltag.

00:10:06: Ich meine, wenn du zu Hause könntest du auch alle Prozesse noch optimieren und längst auch kleinere Hebel haben einen großen Einfluss darauf.

00:10:12: Also da ist natürlich sehr viel Gestaltungsspielraum noch offen.

00:10:15: Erlebst du da gerade eine Nachfrage oder sind die Unternehmen gerade zurückhaltend bei dem Thema?

00:10:21: Ich würde sagen, aktuell ist erst ein bisschen zurückhaltend,

00:10:25: weil häufig eben der Erstinvest betrachtet wird.

00:10:29: Aber ich glaube, dass auch in Zukunft es immer wichtiger wird, die Betriebsmittel wirklich nachhaltig zu gestalten, weil - klar, wenn man sich nur auf den Erstinvest konzentriert, ist ein höherer Invest, als wenn man es nicht berücksichtigt.

00:10:40: Aber die langfristigen Effekte sind überzeugen.

00:10:43: Also wenn die Fehlerrate gesenkt wird und auch die Krankheitsstände der Mitarbeiter gesenkt werden können, hat man erhebliche Vorteile.

00:10:49: Jetzt sprechen wir ja oft, immer über Losgrößen-1-Fertigung, modulare Fabriken, die sich schnell wieder anpassen sollen.

00:10:56: Wie zahlt ihr mit eurem Ergonomie-Thema auf diese Modularität der Factory ein?

00:11:01: Dass man sagt, "wir müssen uns schnell anpassen können.

00:11:03: Wir können jetzt nicht investieren in einen statischen Arbeitsplatz, der superergonomisch ausgestellt. Der muss sich sofort schnell wieder verändern können."

00:11:10: Ist das eine Herausforderung für euch oder sagt ihr, das können wir bereitstellen?

00:11:14: Beides, es ist eine Herausforderung und wir können es bereitstellen.

00:11:17: Wir versuchen auf so Modularitätswünsche einzugehen, indem wir viel mit Materialwegen, Durchlaufregalen arbeiten, die Arbeitsplätze veränderlich machen - also auch ortsveränderlich, nicht nur in der Höhe - um möglichst dem Kunden auch die Möglichkeit zu geben, auf zukünftige Anpassungen in der Fertigung einzugehen.

00:11:34: Wir haben ja gesprochen über den demografischen Wandel. Die eine Möglichkeit ist sozusagen Menschen länger arbeiten zu lassen, besser, gesünder arbeiten zu lassen.

00:11:42: Die andere Möglichkeit ist es zu automatisieren.

00:11:45: Stehen sich die beiden... sind das Konkurrenten oder bedingt sich beides gegenseitig?

00:11:49: Ich denke, das wird in Zukunft einhergehen.

00:11:51: Also ich glaube, dass der Arbeitsplatz der Zukunft auch so eine Schnittstelle sein wird zwischen der alternden Bevölkerung und den Mitarbeitern, aber auch den Robotern.

00:12:01: Also wenn man jetzt beispielsweise ans Zusammenspiel zwischen Mensch und Cobot denkt oder eben auch eine Implementierung von einer Werkassistenzführung, um dann eben möglichst schnell die Mitarbeiter auch einzuleiten und Fehler zu reduzieren am Arbeitsplatz.

00:12:15: Denke ich, dass beides mit einhergehen wird.

00:12:17: Das heißt, Automatisierung und ergonomische Arbeitsplätze schließen sich nicht aus, sondern bedingen sich.

00:12:22: Nein, eher bedingt sich definitiv.

00:12:24: Wir sprechen immer von Automation und ich denke auch, die Zukunft wird noch vernetzter oder noch digitaler sein.

00:12:31: Aber ich denke, der Mensch wird da auch wieder in den Fokus rücken.

00:12:37: Und sobald der Mensch da ist, ist ein Bestandteil dieser Zukunft mit der Maschine,

00:12:42: müssen wir über Ergonomie reden.

00:12:43: Am Ende hätte ich nochmal eine Frage:

00:12:44: Wir sprechen jetzt über Ergonomie,

00:12:45: wir haben über höhenverstellbare Arbeitsplätze gesprochen, wir haben über Sicht gesprochen, wir haben über unterschiedliche Einfüsse auf den Körper...

00:12:52: Es gibt ja auch so einen digitalen Stress, dass man über Bildschirme und das Thema... spielt das auch bei euch rein oder seid ihr,

00:12:59: Das sind wir völlig raus aus diesem Thema?

00:13:01: Der

00:13:01: digitale Stress, also auf Bildschirme bezogen, würde ich sagen, berücksichtigen wir im ersten Schritt nicht. Wir konzentrieren uns auf Montagearbeitsplätze, Verpackarbeitsplätze und Kommissionierarbeitsplätze.

00:13:11: Aber natürlich ist der digitale Stress, wenn er Beleuchtung mit inkludiert, dann würde ich sagen definitiv.

00:13:16: Weil die Beleuchte ist ein Riesenfaktor, der auch auf die Fehlerraten wieder zurückführt. Also ein Mitarbeiter, der geblendet wird, ermüdet schneller und wir kennen es aus dem Alltag.

00:13:25: Du

00:13:25: Nach mehr Blaulicht oder was heißt das?

00:13:29: Die

00:13:30: Beleuchtung ist, was angepasst wird...

00:13:32: Ich meine tagsüber brauchst du weniger Beleuchtung als abends, also ohne jetzt auf die Prüfleuchte einzugehen, sondern nur die reine Beleichtung, dass die eben anpassbar ist, dass der Mitarbeiter am Arbeitsplatz nicht geblendet wird und somit nicht schneller ermüdet.

00:13:44: Und die Lichttemperatur, ist es auch ein Thema?

00:13:46: Die

00:13:46: Lichttemperatur ist definitiv auch ein Thema.

00:13:47: Genau, da spielen wir auch mit den Temperaturen, um eben zu ermöglichen, dass wirklich der Kunde die passende Leuchte hat.

00:13:56: Diese Individualisierung der Arbeitsplätze, was ist das für eine Herausforderung für euch in der Bosch Rexroth-Welt?

00:14:02: Dass ihr sagt, "hey, wir müssen im Prinzip ein Standardprodukt haben,

00:14:05: einen Standardbaukasten haben, aber der hoch individuell anpassbar ist an die jeweiligen Arbeitsplatz."

00:14:11: Wie schafft ihr das selber in der Produktion, in der Entwicklung?

00:14:14: Wir haben unseren Baukasten sehr modular aufgebaut, d.h.

00:14:17: wir haben einen Grundgerüst, einen Grundarbeitsplatz - höhenverstellbar, nicht höhenverstellbar - und darauf basierend

00:14:23: eben mit verschiedenen Modulen kann der Kunde seinen Arbeitsplatz, so wie er haben möchte, konfigurieren und dann auch aus erster Hand beziehen.

00:14:31: Zum Ende nochmal, was unterschätzen die meisten beim Thema Ergonomie?

00:14:36: Ja, sobald man über Ergonomie redet, denken die meisten, ist die Vermeidung von Rückenschmerzen. Stimmt zu einem Teil, aber es zu kurz gedacht.

00:14:43: Also es geht viel weiter drüber hinaus und ist auch ein wichtiger Hebel für die Wirtschaftlichkeit und Produktivität eines Unternehmens.

00:14:49: Also nicht nur auf Rückenschmerzen beziehen, sondern wirklich das komplette Paket zu sehen und zu sagen, "okay, es hat einen messbaren Effekt auf die Fehlerwarte,

00:14:57: auf den Krankenstand."

00:14:59: Und, ich gehe sogar soweit, auf die Attraktivität des Arbeitgebers.

00:15:03: Ein Arbeitgeber, der weniger Krankenstände hat, das spricht sich auch schnell rum und ist, denke ich, auch in Zukunft wird es ein Hebel sein im Kampf um die wichtigen Fachkräfte.

00:15:13: Das höre ich auch immer,

00:15:14: das Werkzeug, das ich den Leuten zur Verfügung stelle, dass das ein Argument ist, zu wechseln. Zu sagen "hey, die haben die bessere Ausstattung, die bieten mir mehr.

00:15:22: Da bleibe ich gesünder und fitter."

00:15:23: Ich glaube auch, dass es ein absolutes Karriereentscheidung ist oder eine Entscheidung ist, wo will ich arbeiten.

00:15:29: Definitiv, so sehe ich's!

00:15:30: Was steht auf deiner Agenda die nächsten Monaten?

00:15:32: Wo wollt ihr hin?

00:15:34: Wir wollen mit unseren Arbeitsplätzen auch in neue Märkte gehen.

00:15:37: Also aktuell ist der Fokus auf Montagearbeitsplätze.

00:15:40: Da sind wir sehr stark und haben auch das passende Zubehör, um alle Arbeitsplätze optimal für jeden Kunden zu realisieren.

00:15:49: Wir haben aber auch gemerkt, dass Ergonomie auch für andere Branchen sehr wichtig ist.

00:15:53: Also eigentlich überall, wo ein Mensch arbeitet.

00:15:57: Deswegen fokussieren wir uns für die nächsten Monate auf Warehouse und Intralogistics. Also picken?

00:16:02: Und genau!

00:16:03: Und auch FMCG.

00:16:05: Also bei Warehouse eben Verpackarbeitsplätze und Kommissionierstationen.

00:16:09: Bei FMCG eben auch alle Arbeitsplätze, die an Transfertechnik angebunden sind und eben wo es unabdingbar ist, ein Werkstück von A nach B in relativ kurzer Zeit.

00:16:22: Dann hätte ich nochmal eine Frage. Und zwar kurz bevor wir zum Ende kommen, wenn du in das Thema Picken reinkommst, dann sprechen wir auch über Boden, also wenn Menschen lange stehen

00:16:31: zum Beispiel. Betrachtet ihr sowas auch?

00:16:33: Definitiv ja!

00:16:34: Also natürlich den Boden mit Matten, die ergonomisch sind, dass man eben nicht auf dem harten Boden steht, aber auch Stühlen.

00:16:41: Ich meine, zu jedem Arbeitsplatz gehört auch der passende Stuhl. Und wenn es eben ein Arbeitsplatz ist, wo nur gestanden werden kann, haben wir Stehhilfen, wo sich der Mitarbeiter anlehnen kann,

00:16:51: wo er eben sein Gewicht mal verlagern kann, um so auch seine Beine und seinen Rücken zu schonen.

00:16:56: Ich hatte vor drei, vier, fünf Jahren einen Werkbesuch von einem großen Automotive OEM und die hatten so eine sogenannte Silver Line.

00:17:04: Da hatten sie nur ältere Mitarbeiter in der Linie und dort haben sie sozusagen super ergonomische Arbeitsplätze gebaut.

00:17:12: Nur für diese Linie, weil sie die älteren Mitarbeiter länger sozusagen aktiv halten wollten und dass sie weniger Ausfälle haben.

00:17:17: Glaubst du, da geht die Reise hin?

00:17:19: Dass wir vielleicht auch so Silver Lines haben?

00:17:21: oder müssen wir das eigentlich wegdenken von Silver Line, sondern für alle denken?

00:17:25: Ich hoffe nicht, dass es in die Richtung geht.

00:17:27: Ich denke, wir müssen alle gesamt betrachten.

00:17:30: Ich meine, wir verkaufen auch nicht Gesichtscreme an nur ältere Menschen, sondern es macht Sinn, früher damit anzufangen, und genau dasselbe ist mit Ergonomie.

00:17:37: Super vielen herzlichen Dank!

00:17:38: Danke dir.

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