Wie Bosch Rexroth die Halbleiter-Fabs von morgen automatisiert

Shownotes

Bis 2030 soll sich die weltweite Chipproduktion verdoppeln. Das bedeutet mehr Fabs und vor allem mehr Maschinen. In dieser Folge spreche ich mit Jan Kazmaier von Bosch Rexroth darüber, was das für die Automatisierung heißt. Moderne Fabs laufen fast ohne Menschen, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Mit jeder neuen Chipgeneration steigen die Anforderungen an Präzision, Geschwindigkeit und Reinraumtauglichkeit, und KI-Chips beschleunigen diesen Trend zusätzlich.

Jan führt uns durch die Wertschöpfungskette, von der Wafer-Produktion über Front-End und Back-End bis zur Elektronikfertigung. Er stellt konkrete Anwendungen vor, etwa Wafer-Pin-Lifts, Spin-Lifts, Single-Wafer- und Batch-Cleaning sowie die Wafer-Inspektion. Außerdem sprechen wir über die Spielregeln der Branche: Wer den Moment verpasst, in dem ein neues Maschinendesign spezifiziert wird, kann wegen „Copy Exact“ bis zu zehn Jahre außen vor bleiben. Gleichzeitig wollen sich immer mehr Maschinenbauer auf ihren Kernprozess konzentrieren. Sie geben komplette mechatronische Systeme an Automatisierungspartner ab, um schneller auf den Markt zu kommen.

Wir werfen auch einen Blick auf die globale Landkarte: die Dominanz von US- und japanischen Maschinenbauern, den rasanten Aufstieg Chinas und starke Ökosysteme wie Eindhoven und Silicon Saxony. Zum Schluss geht es um die Zukunft der Branche, darunter Advanced Packaging, das Zusammenwachsen von Front- und Back-End und ein schwebendes Planarsystem, das im Vakuum völlig neue Fab-Layouts ermöglichen könnte.

Transkript anzeigen

00:00:05: Hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhürer, willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts "Industrie neu gedacht".

00:00:11: Mein Name ist Robert Weber und mir gegenüber sitzt in Würzburg Jan Kazmaier.

00:00:15: Hallo Jan, Willkommen im Podcast!

00:00:16: Hallo Robert, vielen Dank für die Einladung.

00:00:18: Bevor wir heute über Semiconductor und die Elektronikindustrie sprechen, stelle ich doch bitte ganz kurz den Zuhöhrerinnen und Zuhörern vor.

00:00:25: Wer bist du?

00:00:26: Und was machst Du bei Bosch Rexroth?

00:00:29: Mein Name ist Jan Kazmeier und ich bin verantwortlich bei Bosch Rexroth für das globale Industriesegment Semicon und Electronics weltweit.

00:00:38: Und die Hauptaufgabe ist natürlich, das Industriesegment sukzessive weiterzuentwickeln.

00:00:42: Was macht in diesem Industriesegment?

00:00:44: Das ist ja ein Boommarkt,

00:00:46: Semiconductor und Elektronik.

00:00:48: Genau. Was für Assets hat Bosch Rexroth da?

00:00:51: Bosch Rexroth ist ja unter anderem bekannt für die Automatisierungstechnik und da haben wir natürlich ein sehr breites Portfolio über die komplette Automatisierungspyramide hinweg - von der Steuerung, über die Drives, Motoren und Lineartechnik.

00:01:05: Und das sind eigentlich unsere Produkte und Lösungen.

00:01:07: Da gehen wir nachher nochmal später darauf ein, was genau das ist. Um so sagen wir zu 95 Prozent unseren Kunden, dass die Maschinenbau sind quasi die Automatisierungstechnik in der Halbleiterindustrie näherzubringen und dort natürlich auch für die perfekten Lösungen und Bewegungen innerhalb der Maschine

00:01:24: zu sorgen.

00:01:25: Natürlich sind weitere Kunden von uns auch die Fabs direkt, wie jetzt ein... Ja, kennt man ja alle. Ein großer

00:01:31: deutscher, österreichischer, taiwanesischer Hersteller - Fabs, ja. Aber zum Großteil sind unsere Kunden die Maschinenbauer, die nachher in den Fabs weltweit stehen und die Chips produzieren. Das heißt, ihr seid sozusagen die, die die Skalierung von neuen Wafern oder neuen Systemen sozusagen skalieren und Automatisierung möglich machen?

00:01:52: Korrekt!

00:01:53: Wir haben jetzt eine Folge in Deutsch, es gibt auch eine englische Folge.

00:01:56: Lass uns ein bisschen... Semiconductor-Industrie ist in Deutschland

00:02:00: nicht so, sondern eher Elektronik, oder? Oder täusche ich mich?

00:02:02: Würde

00:02:03: ich jetzt nicht sagen.

00:02:04: Sowohl als auch. Also wenn wir von Semicon und Elektronik sprechen.

00:02:08: Ich glaube, vielleicht können wir das einmal noch mal unseren Zuhörern erklären, was das bei uns beinhaltet.

00:02:12: Also wir betrachten die komplette Wertschöpfungskette vom Sand, aus dem nachher der Wafer quasi gebaut wird, bis hin nachher der fertige Chip, der ins Handy montiert wird.

00:02:22: Also das ist quasi die Wertschöpfungskette, die wir betrachten.

00:02:25: Also es sind vier große Blöcke.

00:02:27: Wir starten mit der Wafer Production, wo quasi aus dem Sand der Ingot gezogen wird.

00:02:31: Das ist so ein Zylinder, ja, und aus den Zylindern werden dann nachher die Wafer ganz dünn ausgeschnitten.

00:02:37: So einen Wafer hat eine Dicke von einem Millimeter ungefähr.

00:02:41: Der zweite große Schritt ist das Frontend.

00:02:43: Auf dem Frontend wird quasi auf dem nackten Wafer der Chip produziert.

00:02:48: Dann ist der Chip fertig auf dem Wafer, dann geht's ins Backend.

00:02:51: Im Backend wird der Chip erstmal ausgeschnittet und dann vertratet. Da kommt eine Kunststoffverpackung drum herum etc.

00:02:58: Und dann in der Elektronikindustrie wird dieser fertige Chip zum Beispiel auf ein Board gelötet und dieses Board kommt dann in deinen Laptop rein.

00:03:05: Lass uns mal ganz kurz, bevor wir jetzt auf die Use Cases eingehen, nochmal ganz kurz euer Blick auf die Industrie.

00:03:11: Wir haben schnellere Time-to-Market-Zeiten, wir brauchen immer mehr Chips.

00:03:15: Was hat sich in den letzten fünf Jahren verändert?

00:03:18: Und wie habt ihr auch darauf reagiert?

00:03:21: Also das Grundsätzliche ist natürlich am Ende des Tages ist der Chip oder das Elektronikprodukt das fertige Endprodukt. Und durch die immer größeren Anforderungen und auch schnelleren Entwicklungszeiten, jetzt zum Beispiel nimm mal dein Handy.

00:03:35: Früher gab es alle fünf Jahre ein neues Handy, jetzt gibt's fast jedes Jahr ein neues Modell. Bedeutet, die Nachfrage nach den Chips wird natürlich immer größer.

00:03:42: Dementsprechend braucht man natürlich auch immer mehr Fabs, also die Fabriken, in denen die Chips gebaut werden, und die brauchen natürlich die Maschinen. Und wir liefern unsere Automatisierungstechnik an die Kunden.

00:03:52: Das heißt: großer Trend, die Chips werden immer kleiner.

00:03:57: Das heißt, man braucht neue Technologien wie jetzt die EUV Litographie, die ASML macht mit seiner Maschine als Monopol, wo man dann ganz kleine Strukturgrößen macht, aber natürlich auch andere Chip-Funktionen.

00:04:09: Die Standardchips 

00:04:10: für Autos... Automobilindustrie,

00:04:11: die sind ein bisschen größer und da brauche ich keine EUV Litographie, da brauche ich eine andere Art von Litographie.

00:04:16: etc.

00:04:17: Das ist das eine.

00:04:19: Es wird gesagt, bis 2030 wird sich die Chipproduktion verdoppeln, also die Nachfrage wird sich verdoppeln.

00:04:24: Dementsprechend werden auch bis 2030 50 neue Fabs gebaut weltweit, und die brauchen natürlich Maschinen und die Maschinen müssen automatisiert werden und deshalb sehen wir ein sehr starkes Wachstum.

00:04:35: Die Maschinenbauer, die wir beliefern, sind weltweit.

00:04:38: Es ist natürlich sehr stark USA-getrieben, aber auch Japan, Korea und immer mehr China.

00:04:45: Und China dementsprechend weil durch die ganzen globalen Lieferketten

00:04:49: etc.,

00:04:50: die Chinesen jetzt auch ihre eigene Kompetenz aufbauen oder schon aufgebaut haben.

00:04:54: Ich war erst dieses Jahr vor Ort und ich war sehr sehr beeindruckt, was da in kurzer Zeit...

00:04:59: Sie scherten sich auch noch ASML-Themen zu schaffen, oder?

00:05:03: Ja, da sind sie dran.

00:05:06: Da habe ich jetzt noch nichts gesehen,

00:05:07: aber was ich gesehen habe...

00:05:08: Zeigen Sie dir auch nicht, glaube ich!

00:05:11: Die, sagen wir mal, im Frontend und im Backend sind die natürlich schon auf einem sehr hohen Niveau. Wenn man den Vergleich mit den amerikanischen oder japanischen Maschinenbauern anschaut.

00:05:21: Also da stehen die Chinesen in Nichts hinterher und dadurch, dass die natürlich von den globalen Lieferketten auch mehr abgeschottet werden müssen sie

00:05:28: natürlich ihre eigenen Technologien auf den Markt bringen.

00:05:31: Und es ist natürlich auch für uns als ein globales Unternehmen eine große Chance.

00:05:34: Warum?

00:05:35: Weil zum einen ist die Anforderung von den Chinesen das viel US-free Automatisierungstechnik reinkommt.

00:05:42: Und wenn du jetzt nach USA schaust, sagen die Amerikaner "China free".

00:05:46: Und der große Vorteil von Bosch Rexroth als globales Unternehmen?

00:05:49: Wir können beides!

00:05:50: Warum?

00:05:50: Weil wir natürlich überall auf der Welt unsere Produktionsstandorte haben.

00:05:54: Von daher sind wir in einer sehr exponierten Lage, den Markt global zu bedienen.

00:05:57: Weil

00:05:57: du gerade die Wertschöpfungskette angesprochen hast: Wo ist denn eigentlich im Moment der Flaschenhals?

00:06:02: Also ich habe das Gefühl, Chipdesign da hilft auch viel AI.

00:06:05: Was ich höre, dass die Unternehmen im Chipdesign viel AI-Themen haben.

00:06:10: Ist das der Flaschenhals? Wirklich die Automatisierung und Produktion für die Unternehmen?

00:06:16: Du meinst jetzt die Fabs als Endkunde? Ja, genau.

00:06:19: Einer der großen Themen ist natürlich die Verfügbarkeit der Maschinen. Also sprich, die Fab wird gebaut, dann gibt es ein Enddatum und da müssen alle Maschine da sein.

00:06:26: Und das ist eigentlich auch einer unserer Punkte, wo wir als Bosch Rexroth mit reinspielen. Den Maschinbauern zu helfen, die Entwicklungszeit zu verkürzen.

00:06:34: Ja, wie machen wir das?

00:06:35: Wir arbeiten so einer Art Co-Engineering, Entwicklungspartnerschaft mit den Maschinenbauern zusammen, wo wir nicht nur unsere Einzelkomponenten anbieten, die du standardmäßig auch im Katalog kaufen kannst.

00:06:46: Und ein weiterer Vorteil ist von uns,

00:06:48: wir nehmen unsere Einzelkomponente und bauen aus diesen mechatronische Subsysteme. Beispiel: Ein Wafer-Pin-Lift.

00:06:56: Dieser Wafer-Pin-Lift sitzt in der Vakuum-Kammer und er hat die Aufgabe, den Wafer exakt zu positionieren, sodass dann quasi der Prozess, also wie bringe ich den Chip auf dem Wafer, da auch 1a ablaufen kann.

00:07:08: Und das ist einer der großen Vorteile, weil der Kunde sagt: "Meine Kernkompetenz ist, wie baue ich den Chip."

00:07:15: Und unsere Kernkompetenz als Bosch Rexroth ist,

00:07:18: wie automatisiere ich die Maschine.

00:07:20: Und deshalb ist der Kunde auch froh, wenn er nicht mehr alles alleine machen muss, sondern einen starken Partner an seiner Seite hat,

00:07:26: und das, quasi gemeinsam mit uns, die Automatisierungstechnik zu lösen und dann quasi das fertige Modul zu nehmen und just in time in seine Prozesskammer einzubauen.

00:07:35: Jetzt hast du ja... Wenn du in der Industrie bist, ist ja eine große Anforderung Reinraum, ist ja das Thema.

00:07:41: Wie betrifft euch das?

00:07:43: Was für Einflüsse hat es auf die Automatisierung?

00:07:46: Ja da sind natürlich nochmal ganz andere Anforderungen, wie zum Beispiel in anderen Industrien. Du hast es angesprochen, ein Reinraum, partikelfrei in so einer Fab.

00:07:53: Ich weiß nicht, ob du mal in einer Fab warst. Da musst du dich voll covern.

00:07:56: Du hast einen Anzug an, ja.

00:07:58: Du hast Mundschutz, du hast eine Haube, du hast ein Bartschutz!

00:08:00: Du hast Schuhe, du hast Handschuhe.

00:08:02: Ich brauche

00:08:02: vor allem Bartschutze.

00:08:05: Also das dauert schon mal zwanzig Minuten, bis du die Montur anhast... Und das zielt einer Fab ist auch, so wenig wie möglich Personal da rumlaufen zu haben.

00:08:12: Das heißt, ich brauche immer wieder einen Servicetechniker, aber das übergeordnete Ziel ist, dass die Fab automatisiert 24/7 läuft.

00:08:19: Keine Ausfallzeiten hat.

00:08:21: Zurück zum Reinraum:

00:08:21: Natürlich unsere Produkte sind im Reinraum.

00:08:24: Es gibt verschiedene Reinraumklassen, auch ISO-Klassen, und je nach Anforderung, je nach Prozess hat jeder Prozess eine andere Anforderung und dementsprechend haben wir auch unsere Produkte in Reinraumklassen

00:08:36: zertifizieren lassen.

00:08:37: Zum Beispiel vom Fraunhofer Institut kannst du das machen.

00:08:40: Wir haben auch die kompletten Systeme zertifizieren lassen.

00:08:42: Also du hast nicht nur die Linearachse, sondern auch den zugehörigen Motor und Kabel etc.

00:08:47: Ihr macht das im Prinzip in Systemen?

00:08:49: Es gibt also nicht einzelne Produkte, sondern es gibt sozusagen Systeme, Subsysteme... Sowohl

00:08:53: als auch.

00:08:54: Es gibt einzelnen Produkte.

00:08:55: Steuerung?

00:08:56: Ja, dann nehmen wir mal eine Linearachse.

00:08:58: Es gibt ein einzelnes Produkt ist die Linearachse.

00:09:00: Die Linearachse muss ja von A nach B fahren.

00:09:02: Also brauchst du einen Motor.

00:09:03: Dann nehmen wir unseren eigenen Motor, fügen das zusammen, da brauche ich noch ein Motorcontroller. Der kommt auch von uns.

00:09:10: Wir nennen es Solutionset.

00:09:12: Also ich habe eine passende Achse mit einem passenden Motor, das die Anforderungen in der Maschine erfüllt.

00:09:17: Und dann habe ich noch... Eine Stufe komplexer ein Subsystem, wo wir dann aus unseren Komponenten plus eventuelle Frästeile, Drehteile kundenspezifische

00:09:30: mechatronische

00:09:30: Lösungen. Also Sondermaschinenbau?

00:09:32: Wir sind kein Sondermaschinenbauer, sondern wir sind eigentlich ein Automatisierungstechniker, der mechatronische Systeme baut. Das hat auch ganz klar abgrenzen, wir bauen keine Maschinen.

00:09:42: Wir bauen... Das höchste der Gefühle ist ein mechatronisches Subsystem, wie zum Beispiel ein Waferlift. Und das kommt alles aus einer Hand von uns.

00:09:49: Und das ist eigentlich einer der großen Vorteile... Ja, das

00:09:51: spart halt beim Time to Market. Also wenn ich nicht alle einzelnen Komponenten sourcen muss, sondern ich sage Jan, ich brauche im Prinzip einen Komplettsystem.

00:10:00: Korrekt, ja!

00:10:02: Du hast kurz das Reinraumkonzept erklärt.

00:10:04: Ist es immer ein Standardprodukt oder sind das customized Produkte?

00:10:08: Oder wie kann ich mir das vorstellen?

00:10:11: Sowohl als auch, es kommt immer auf die Applikation vom Kunden an, welche Reinraumklasse er denn benötigt.

00:10:17: Oft ist es auch so, unsere Produkte sind reinaumzertifiziert.

00:10:21: Das heißt sie sind beim Fraunhofer getestet und geprüft.

00:10:24: Dann gibt's ISO-Klasse eins bis sieben. Und man kann aber auch durch Modifikationen, wie zum Beispiel eine Absaugung, einen Achse auch dann nochmal die Partikel minimieren.

00:10:34: Das heißt je nachdem, wo das System eingesetzt wird, habe ich noch zusätzliche Features die Reinraumklasse zu erreichen.

00:10:41: Aber oft ist es so, dass ich gar nicht diese starke Reinraumklasse benötige.

00:10:45: Es gibt auch Applikationen, die nehme einfach ein Standardprodukt... das hat zwar eine Reinraumzertifizierung, aber ist eigentlich theoretisch nicht notwendig.

00:10:54: Das heißt, im Frontend, wo eigentlich quasi der Chip auf dem Wafer prozessiert wird, habe ich die höchsten Anforderungen und je mehr es in Richtung Backend-Elektronik geht, da sinkt dann meistens die Reinraumanforderung und so kannst du das ganz gut vorstellen.

00:11:07: Wie viel ist denn Customizing?

00:11:08: Und wie viel ist Standardgeschäft?

00:11:10: Gibt's das 60/40, 70/30?

00:11:15: Das ist auch immer nach Kunde und nach Maschinentyp abhängig.

00:11:18: Wir können sehr viel standardmäßig abdecken, aber unser Vorteil ist natürlich diese customized Themen anzubieten für unsere Kunden, um dann genau für diese Maschine diese Automatisierungslösung anbieten zu können, die quasi der Wettbewerber von Maschinenbau nicht hat.

00:11:34: Da sind wir natürlich auch drin. Wir bedienen uns ja aus einem sehr starken Erfahrungsschatz. Wir sind seit über 25 Jahren in diesem Business unterwegs mit unseren Ingenieuren, die diese kundenspezifischen Produkte dann auch gemeinsam mit dem Kunden entwickeln

00:11:49: für ihren Use Case. Und können uns somit relativ schnell aus einem Baukasten bedienen, wo wir da nur noch minimale Themen adaptieren müssen, um diese customized Lösungen für den Kunden zu machen, die dann langfristig in den Standard wird.

00:12:05: Weil das heißt, wenn du einmal mit dieser Lösung beim Kunden drin bist, dann kommst du auch in dieser Maschinengeneration nicht mehr raus, weil es gibt so ein schönes Schlagwort d.h.

00:12:14: "Copy exact."

00:12:15: D.h.,

00:12:16: Wenn du was in der Maschine ändern wollen möchtest, also... sei es nur eine kleine Schraube, muss das der Kunde genehmigen, weil das kann Auswirkungen haben auf die Qualität des Chips.

00:12:26: Und deshalb ist dieses Thema copy exact in der Industrie sehr wichtig und das ist eigentlich auch einer unserer Vorteile.

00:12:33: Also wenn du halt einmal drin bist, dann bist du über zehn, fünfzehn Jahre reingespeckt und kannst somit deine Aufsagseingänge sehr stark planen.

00:12:44: Du hast jeden Monat Incoming Orders.

00:12:47: Ein Traum.

00:12:49: Und die Industrie wächst natürlich

00:12:50: Ein Traum.

00:12:51: Hat das Customizing zugenommen?

00:12:53: Ja und es nimmt zu.

00:12:55: Warum?

00:12:55: Weil, wie gesagt, der Maschinenbauer durch die Anforderungen, immer kleinere Chips zum Beispiel, muss natürlich schauen, dass auch seine Maschine dementsprechend diese kleineren Chips produzieren kann oder auch diese Vorprozesse.

00:13:06: Und das heißt, wir helfen dem Kunden quasi, damit er sich seine Zeit voll auf den Prozess widmen kann, indem wir für ihn die Automatisierungsaufgaben übernehmen. Und das ist ein sehr starker Trend, wo wir sehr stark davon partizipieren und es sukzessive ausbauen.

00:13:24: Was sind die größten Herausforderungen eurer Maschinenbauer?

00:13:27: Eurer

00:13:27: Hauptkunden

00:13:28: Womit struggeln

00:13:29: die am meisten, wenn's um die Automatisierung geht?

00:13:33: Das kann man so pauschal eigentlich gar nicht sagen.

00:13:35: Also ich sag mal, wenn wir jetzt nochmal das globale Bild betrachten, ist es eigentlich ein globales Business, weil der Maschinbauer hat sein R&D. Da sitzt er zum Beispiel in Amerika. Dann wird da die Maschine konstruiert.

00:13:48: Wir arbeiten gemeinsam mit den Ingenieuren von dem Maschinenbauer, beispielsweise nehme ich wieder diesen Waferlift, und dann geht es irgendwann in die Serienproduktion.

00:13:57: Die ist aber nicht in Amerika, sondern oft gehts nach Singapur, Malaysia, wo dort quasi die Endproduktion sitzt.

00:14:04: Das heißt, es ist ein globales Business,

00:14:07: deshalb sind wir als Bosch Rexroth auch global aufgestellt.

00:14:10: Wir haben in unserem Semicon-Team, in jedem Fokusland eigene Semicon-Experten. Zum einen salesseitig, applikationsseitig, aber auch Engineering und wie ich vorhin schon gesagt habe, wir haben auch in jeder Triade unsere eigene Manufacturing.

00:14:27: So sind wir da sehr flexibel und sind so nah am Kunden, ja. Und können damit natürlich auch schnell reagieren. Ist auch wichtig, die Sprache des Kunden zu sprechen, weil Semicon ist eine sehr eigene, ich nenn's mal Community.

00:14:41: Also wenn man erfolgreich sein möchte, muss man auch die Sprache des Kunden sprechen.

00:14:45: Das wird oft auch unterschätzt am Anfang und so sind wir quasi global sehr gut aufgestellt für die Globalität.

00:14:52: Wenn es jetzt Richtung Automatisierungstechnik geht, also das kann man so pauschal eigentlich gar nicht sagen.

00:14:57: Es kommt immer darauf an, welches Maschinenportfolio hat der jeweilige Kunde?

00:15:01: Oft ist es so, dass... ein Unternehmen spezialisiert sich auf...

00:15:05: Machen die Single-Sourcing eigentlich diese Fabs?

00:15:07: Oder versuchen sie auch, auf unterschiedliche zurückzugreifen?

00:15:10: Wie ist da der Markt?

00:15:11: Ja, wie gesagt, also es gibt die Big Players.

00:15:13: Im Regelfall ist so, dass ein Maschinenbauer einen Fokusprozess beherrscht. Nehmen wir mal wieder ASML.

00:15:19: Die beherrschen sehr stark die Litographie insbesondere die EUV-Litographie.

00:15:24: Dann gibts jetzt einen Applied Materials oder einen Lam Research.

00:15:28: Das sind zwei größten amerikanischen Unternehmen, die fokussieren sich sehr stark auf das Frontend, sprich Edging, Ads-Prozesse oder Deposition-Prozesse.

00:15:37: Und dann gibt es natürlich im Backend wieder Unternehmen, gerade zum Beispiel Wafertesting.

00:15:41: Ja, es muss sehr viel getestet werden, weil die Qualität des Wafers, also man sagt immer, es darf eigentlich keinen Ausschuss geben, weil wenn ein Chip auf dem Wafer defekt ist, hat es natürlich schnell auch monetäre Auswirkungen.

00:15:54: Deshalb wird auch in diesem Chipprozess sehr viel getestet.

00:15:59: Da gibt's große Testingunternehmen und Richtung Elektronik, da kommt es dann halt eher darauf an auf die Geschwindigkeit.

00:16:05: Da habe ich viel Pick-and-Place-Anwendungen, um den Chip auf das Board zu bringen etc.

00:16:11: Lass uns doch mal die drei spannendsten Use Cases, die du siehst...

00:16:15: Du hast schon den Waferlift gesagt. Ja. Hast du noch zwei oder drei, wo du sagst: "Das ist richtig cool, da ist richtig Automation at its best."

00:16:22: Ja, Automation hast du eigentlich überall

00:16:25: Aber du hast ja eine richtige Herausforderung, wo du sagst: "Da macht es richtig Spaß, an den Themen zu arbeiten."

00:16:31: Aus Sicht von Bosch Rexroth meinst du jetzt oder generell?

00:16:32: Ja,

00:16:33: aus eurer Sicht.

00:16:34: Aus unserer Sicht ist es natürlich. Wir sind sehr stark im Frontendbereich unterwegs, gerade mit unseren verschiedenen Liftsystemen.

00:16:40: Einmal der Waferlift, der eigentlich nur die vertikale Positionierung macht.

00:16:43: Dann gibt's noch, wo wir sehr stark unterwegs sind, das ganze Thema Spinlift.

00:16:48: Ja, das wird zum Beispiel für Reinigungsapplikationen angesetzt.

00:16:51: Da habe ich den Wafer nicht nur in der vertikalen Bewegung, sondern auch in der rotativen Bewegung.

00:16:55: Da wird dann oben eine Flüssigkeit draufgebracht. Die wird dann durch die Rotation, geht die nach außen und reinigt so den Wafer.

00:17:01: Also das sind sehr starke Applikationen.

00:17:03: Und hintenraus im Testen - Inspection. Ist natürlich das ganze Thema Waferstage.

00:17:09: Da habe ich sehr schnelle und dynamische Bewegungen, wo wir natürlich dann auch mit unseren Komponenten linearer Achsen, Schienen

00:17:17: sehr hochpräzise.

00:17:18: Aber auch das ganze Thema Steuerungstechnik, Motion Control.

00:17:21: Da habe ich sehr schnelle Beschleunigungen, ich muss sehr schnell wieder abremsen,

00:17:23: da muss sich aufpassen, dass ich keine Cogging-Effekte oder Vibrationsthemen habe.

00:17:29: Und da haben wir natürlich auch nicht nur die mechanische Komponente, sondern auch sehr stark die steuerungstehnische Komponente. Und haben beides natürlich im Haus und können es somit optimal für Kundenlösungen kombinieren.

00:17:42: Ich war gestern zufälligerweise beim FFG-Forum in Österreich und habe ein Interview mit Silicon Austria Labs geführt, die zusammen mit Infineon auch Linien bauen.

00:17:53: Da geht es aber um Quantenthemen, Quantensensing und Quantencomputing.

00:17:57: Was ist so

00:17:58: die nächste Welle, die kommt im Semiconductor-Elektronikbereich,

00:18:03: die du siehst?

00:18:04: Ist das schon Quanten oder sind wir noch davor?

00:18:07: Sind wir in einem Zwischenstadium?

00:18:08: Wo geht die Reise hin?

00:18:10: Ja, natürlich AI ist das Thema.

00:18:12: AI

00:18:13: als Enabler im Design, Engineering oder auch in der Automation?

00:18:17: Nein, in der Automation ist wahrscheinlich eher nicht.

00:18:20: Aber... also wenn wir jetzt die Automation betrachten, ist natürlich das Zusammenspiel zwischen Mechanik und Software sehr stark.

00:18:27: Wie ich schon vorher sagte, man kann, wenn die Mechanik an seine Grenzen kommt, kann man immer noch mit Softwareintelligenz nachregeln in der Automatisierungstechnik und es wird immer alles kompakter, es wird alles kleiner.

00:18:38: Es wird immer präziser und es wird immer schneller. Wir versuchen natürlich, mit unseren Lösungen den bestmöglichen Fit dort hinzubekommen.

00:18:49: Wo findet gerade das Wachstum statt?

00:18:51: Weil jetzt gibt es den Chips-Act in Europa, mehr Chips in Europa zu produzieren, Asien, USA.

00:18:57: Kannst du uns am Ende nochmal so einen Ausblick geben?

00:18:59: Kommt da was aus Europa?

00:19:01: Hast du das Gefühl, da passiert etwas, oder ist es nur ein Strohfeuer?

00:19:06: Also das Wachstum der Fabs ist natürlich in Asien und Amerika sehr stark.

00:19:11: TSMC baut gerade parallel 15 neue Fabs auf der Welt, viele in Taiwan, aber die machen sich auch immer unabhängiger - Taiwan liegt im Erdbebengebiet.

00:19:20: Dann haben wir den China-Konflikt.

00:19:22: Die sind auch mit sehr stark gehen die nach Japan und nach USA und bauen da ihre Fabs.

00:19:26: Aber wenn man jetzt mal so auf das Maschinenbauwachstum kommt, kommt natürlich sehr viel aus USA. Wie vorhin schon erwähnt, Applied Materials, Lam Research und auch KLA im Testing und Inspection sind so die drei großen Player.

00:19:38: Was oft unterschätzt wird meines Erachtens nach, ist das Thema Japan.

00:19:43: Japan ist eine sehr spezielle Kultur, ich war jetzt zum ersten Mal vor einigen Monaten dort, aber es ist technologisch erste Klasse, ja.

00:19:52: Und was natürlich immer mehr kommt, ist es das Thema China.

00:19:56: Ich glaube, das sind so die Themen.

00:19:58: Europa:

00:19:58: Chips Act hilft gar nicht?

00:19:59: Europa natürlich!

00:20:00: Also wir haben ja mit Bosch auch unsere eigenen Fabs in Dresden und den Reutlingen in Europa.

00:20:05: Dann bauen wir gerade eine neue Fab in Roseville, in USA, und dann haben wir noch zwei Backendfabs, eine in Penang, Malaysia und eine in China, Suzhou.

00:20:16: Europa hat einen sehr starken Maschinenbau.

00:20:17: Das wird vielleicht oft unterschätzt, aber es gibt sehr viele Nischenplayer hier in Europa, und wir haben natürlich auch mit der ganzen Verbandsarbeit, wie zum Beispiel VDMA, wo wir auch Mitglied sind, oder Silicon-Sechs neben dem Dresdener Raum, sind wir auch sehr stark unterwegs. Da haben wir ein großes Ecosystem.

00:20:35: Wenn du so mal dir Deutschland oder Europa anschaust. Bleiben wir mal bei Deutschland, habe ich das Dresden-Cluster, sehr stark.

00:20:42: Dann habe ich so Baden-Württemberg, Bayern

00:20:44: habe ich sehr starke Nischenexperten und natürlich in Europa das Thema Niederlande.

00:20:50: Ich habe ASML, den starken Maschinenbauer, aber auch im Großraum Eindhoven.

00:20:57: Philips.

00:20:57: Ex Philips.

00:20:58: Viele Ausgründungen,

00:20:59: viele Startups.

00:20:59: Wir natürlich auch noch ein Büro oder eine große Location in Eindhoven wo wir unser ganzes Thema Motion Control Kompetenz haben und da mit den ganzen Zulieferern sehr stark vernetzt sind.

00:21:10: Wir sind jetzt zum Beispiel: Wir machen einmal im Jahr so ein International Team Meeting, wo wir unsere ganzen Kollegen aus der Welt face-to-face zusammenbringen, um da die neuesten Entwicklungen auszutauschen, Success Stories etc.

00:21:21: Und das machen wir dieses Jahr in Eindhoven.

00:21:23: Im Vorfeld... Das ist

00:21:24: nett in Eindhoven.

00:21:25: In Eindhoven kann man es aushalten!

00:21:29: Das nutzen wir halt immer so im Rahmen eines Events und dieses Event dieses Jahr ist, wo wir das machen, die Semicon München, die Messe. Und da haben wir gesagt, wenn dann die Kollegen schon alle nach Eindhoven kommen, nutzen wir das gleich.

00:21:41: Dann machen wir noch die Woche drauf 2-3 große Workshops mit unseren Business Units Lineartechnik und Antriebstechnik und gehen dann gemeinsam am Dienstag auf die Messe nach München, wo wir zum einen großen Stand haben und zum anderen auch die Kollegen ihre internationale Kunden auch nochmal face-to-face besuchen können.

00:21:58: Lass uns am Ende noch einen Ausblick machen.

00:21:59: Was steht bei euch technologisch auf der Agenda?

00:22:02: Was ziehst du aus der Schublade in den nächsten Monaten?

00:22:05: Was kann man erwarten von euch?

00:22:07: Also darf ich natürlich jetzt nicht so viel verraten, was da noch in der Pipeline ist,

00:22:11: aber natürlich werden wir weiterhin unsere mechatronischen Subsysteme sukzessive ausbauen.

00:22:16: Wir werden dort in neue Prozesse reingehen.

00:22:19: Welche das sind, kann ich jetzt noch nicht genau sagen?

00:22:21: Aber was ich sagen kann, was kommen wird, es sind auch zwei große Technologien. Die wird mir auf der SPS sehen.

00:22:26: Zum einen High-Speed Transport System.

00:22:29: Das heißt Control Flow HS. Hatten wir schon im Podcast!

00:22:31: Es geht hier so Richtung Elektronikindustrie. Das sind da die Anwendungen.

00:22:36: Und das zweite große Thema ist ein schwebendes Planar-System.

00:22:39: Du hasttest ja auch den Joachim Frangen bei dir im Podcast. Da sind wir gerade dran, das Thema auch ins Vakuum zu bringen und haben ja auch schon erste Pilotkunden.

00:22:47: Und es wird eigentlich den Wafertransport des Waferhandlingen nochmal revolutionieren, weil ich kann ganz andere Maschinenkonzepte, ganz andere Machinedesigns, realisieren.

00:22:56: Also du kannst dir vorstellen, ich kann die Maschine beliebig lang bauen und in der Mitte schwebt dieses Transportsystem mit dem Wafer, auf einer Gabel zum Beispiel drauf, und kann so viel schneller auch die Prozesskammern beladen und somit den Throughput in der Fab manövrieren.

00:23:10: Jan, vielen herzlichen Dank, dass du da warst! War super spannend!

00:23:13: Wir drücken euch die Daumen.

00:23:14: alles Gute dir!

00:23:15: Danke dir!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.